Ein Mann mit Kappe, Sonnenbrille und Wanderkleidung sitzt auf einem Holzgeländer mit Panoramablick auf vulkanische Inseln und Ozean im Hintergrund unter einem teils bewölkten Himmel.

Ecuadors große Naturbühne

Ein persönlicher Reisebericht zwischen Vulkanriesen und Inselwelt

Ein persönlicher Reisebericht zwischen Vulkanriesen und Inselwelt

Vom Cotopaxi zu den Galápagos-Inseln

Es gibt Reisen, die beeindrucken. Und es gibt Reisen, die lange nachwirken. Unsere Reise durch Ecuador gehörte klar zur zweiten Kategorie. Innerhalb weniger Tage lagen zwischen uns zwei vollkommen unterschiedliche Welten: die Höhen der Anden und die Inselwelt der Galápagos.

Geschrieben von: Nils Lindhorst Zuletzt aktualisiert am: 31. August 2026

Der Cotopaxi – Ecuadors Vulkanriese

Schon die Anreise von Quito aus ist ein Erlebnis für sich. Die Strecke folgt der „Avenue of the Volcanoes", jener von Alexander von Humboldt geprägten Bezeichnung für das Andental, das von einer Kette schneebedeckter Vulkane gesäumt wird. Während wir das Hochland durchqueren, öffnen sich immer wieder neue Ausblicke auf die Gipfel der ecuadorianischen Anden. Weite Ebenen, traditionelle Haciendas und mächtige Vulkankegel prägen die Landschaft – schon die Fahrt selbst wird zum ersten Höhepunkt.

Bei unserer Ankunft in der Chilcabamba Lodge wird klar, weshalb die Region zu den eindrucksvollsten Naturkulissen Südamerikas zählt: Direkt vor uns steht die Silhouette des Vulkans. Besonders in den frühen Morgenstunden, wenn die ersten Sonnenstrahlen den Gletscher an seiner Spitze in Gold- und Rosatöne tauchen, entfaltet sich ein Panorama, das lange nachwirkt. Auch am späten Nachmittag zeigt sich der Cotopaxi noch einmal von einer anderen Seite: Reißen die Wolken auf, taucht das Licht der tief stehenden Sonne die schneebedeckten Flanken in warme Farben. Von der Lodge aus haben wir dabei einen nahezu ungestörten Blick auf einen der markantesten Vulkane der Welt.

An einem Tag im Cotopaxi-Nationalpark unternehmen wir zwei kürzere Wanderungen, um uns an die Höhe zu gewöhnen. Die erste führt zu einer Stelle, an der die Lava eines früheren Ausbruchs sich ihren Weg gebahnt und einen beeindruckenden Canyon hinterlassen hat. Die zweite führt an einer Lagune entlang – das stille, spiegelglatte Wasser direkt vor uns, dahinter der schneebedeckte Cotopaxi.

Cotopaxi Vulkan mit Schnee bedeckt unter einem teils wolkigen blauen Himmel, mit zwei Lamad in der grünen Wiese im Vordergrund.
Steintreppe, die einen grasbewachsenen Hügel hinaufführt, mit dem schneebedeckten Vulkan Cotopaxi im Hintergrund und einer roten Schutzhütte rechts.
Eine hügelige Landschaft mit grasbewachsenen Erhebungen und felsigem, spärlichem Vordergrund unter bewölktem Himmel.

Der Aufstieg zum Refugio José Rivas

Der eigentliche Höhepunkt des Tages folgt danach: der Aufstieg zum Refugio José Rivas auf knapp 4.900 Metern Höhe. Mit dem Fahrzeug geht es auf über 4.600 Meter, die letzten Höhenmeter legen wir zu Fuß zurück. Nach den ersten Schritten denke ich: Das schaffe ich nie. Die Luft ist so dünn, dass ich das Gefühl habe, es kommt kaum Sauerstoff in der Lunge an. Unser Guide erklärt uns, dass wir im Zickzack gehen werden, damit es leichter wird – und tatsächlich, mit jedem Schritt wird die Luft zwar dünner, aber der Gletscher rückt spürbar näher, und die Motivation trägt uns weiter. In jeder Kurve halten wir kurz an: um den Blick ins Tal zu genießen, aber vor allem, um wieder Kraft zu sammeln.

Als wir das Refugio erreichen, muss ich erst einmal tief durchatmen – soweit das auf fast 4.900 Metern überhaupt geht. Die Anstrengung der letzten Meter ist sofort vergessen, als sich vor uns wieder die Kulisse der Anden öffnet. Für einen Moment steht die Zeit still. Umgeben von schroffen Bergen, dem Gletscher im Rücken und der Weite des Hochlands wird mir bewusst, wie klein wir in dieser Landschaft eigentlich sind – und gleichzeitig, wie dankbar ich bin, genau hier zu stehen.

Aus diesem Moment entsteht ein neuer Gedanke: Irgendwann zurückzukehren, um den Gipfel selbst zu erreichen. Es sind solche Momente, die eine Reise über den eigentlichen Aufenthalt hinaus verlängern.

Zu Pferd durch den Nationalpark

Ein weiteres Highlight ist ein Reitausflug durch den Nationalpark, begleitet von unserem Chagra Wilmar. Auf dem Rücken unserer Pferde durchqueren wir teils im Galopp die Páramo-Landschaften, vorbei an Schluchten und Flüssen, mit immer wieder neuen, weiten Ausblicken. Unterwegs erzählt uns Wilmar von der Chagra-Kultur, der traditionellen Cowboy-Kultur der ecuadorianischen Anden, die sein Vater und sein Großvater noch als Lebensmittelpunkt gelebt haben. Bei ihm selbst ist daraus eher ein Nebenverdienst geworden: Heute betreibt er vor allem eine eigene Farm und schlüpft nur noch für Touristen wie uns in die Rolle des Chagra.

Und doch: Für den Ausritt bekommen wir einen Poncho und einen traditionellen Beinschutz aus Tierfell gestellt, wie ihn auch Wilmar trägt – und spüren für einen Moment tatsächlich etwas von dieser Verbindung, ein Gefühl davon, wie es früher gewesen sein muss. Ein Gedanke, der mir noch lange nachgeht: Vieles von dem, was wir als „authentisch" erleben, existiert vielleicht nur noch, weil wir als Reisende danach fragen. Ob das nun bedeutet, dass wir ein Stück Kultur wachhalten, oder eher, dass wir sie in eine Rolle drängen, die sie von sich aus nicht mehr wäre – eine klare Antwort darauf habe ich bis heute nicht gefunden. Was aber bleibt, ist ein wirklich besonderes, authentisches Erlebnis – unabhängig von dieser Frage.

Von den Anden in den Pazifik

Panoramablick auf eine zerklüftete Vulkaninsel mit grüner Vegetation, umgeben von blauem Ozean unter klarem Himmel.
Mehrere Meerechsen versammelt auf schwarzen vulkanischen Felsen hinter einem grünen Stopp-Schild an der Küste der Galapagos-Inseln.
Felsige Küste mit schwarzen vulkanischen Steinen und grünen Sträuchern, im Hintergrund klares blaues Meer und kleine Inseln unter leicht bewölktem Himmel.

Noch am Morgen nach dem Aufstieg zum Refugio sitzen wir nach dem Frühstück warm eingepackt im Fahrzeug, die dünne, kühle Bergluft der letzten Tage noch in den Kleidern. Der Transfer bringt uns zurück nach Quito, von dort geht es mit einem Direktflug weiter zu den Galápagos-Inseln. Schon beim Landeanflug auf Baltra sehen wir durchs Fenster das tiefe Blau des Pazifiks unter uns – und kaum sind wir aus dem Flugzeug gestiegen, spüren wir den Unterschied: feuchtwarme, tropische Luft statt dünner Höhenluft, und auf dem kurzen Weg zum Flughafengebäude laufen uns bereits die ersten Landleguane über den Weg. Zwischen kühlem Hochland und tropischem Archipel liegen an diesem Tag nur wenige Stunden Flugzeit – und doch fühlt es sich an, als hätten wir gerade eine völlig neue Welt betreten. Ein und dasselbe Land, und doch zwei Welten, die kaum unterschiedlicher sein könnten.

An Bord der Galápagos Explorer von &Beyond beginnt unsere einwöchige Fahrt durch die östlichen Inseln des Archipels. Mit nur sechs Kabinen für maximal 13 Gäste zählt die Yacht zu den kleinsten und persönlichsten Schiffen auf den Galápagos-Inseln. Bemerkenswert ist vor allem das Verhältnis von Guide zu Gast: eins zu sechs, in Ausnahmefällen eins zu neun – ein Wert, der auf den Inseln seinesgleichen sucht und mehr Zeit für Fragen, Beobachtungen und Austausch schafft.

Was die Reise aber wirklich prägt, ist die Crew. Kapitän Angel, Cruise Directorin Gaby, Guide Gabriel, Bartender Mateo, Chefkoch Jose und Panga-Skipper Julian bleiben uns in Erinnerung – und noch mehr das Zusammenspiel des gesamten Teams. Schon nach den ersten Tagen kennt die Crew unsere Vorlieben: welches Wasser, welcher Wein, welche Cocktails. An der Bar kommen dabei immer wieder neue Empfehlungen dazu, sodass man sich Abend für Abend an etwas Neues herantastet, statt einfach das Gewohnte zu bestellen.

Auch kulinarisch hält die Reise Überraschungen bereit: Die Küche setzt durchweg auf lokal gesourcte Zutaten und verbindet ecuadorianische Aromen mit internationalen Einflüssen – abwechslungsreich und mit spürbarer Kreativität in jedem Gang. Mehrfach wird das Frühstück auf dem Sonnendeck serviert, dazu zwei Überraschungs-Dinner – einmal ein Barbecue mit Fisch und Meeresfrüchten, einmal mit verschiedenen Fleischsorten und hausgemachten Chorizo-Würstchen, ebenfalls oben auf dem Deck.

Gabriel, seit vielen Jahren Guide auf den Galápagos, erzählt uns eines Abends, warum ihm die Arbeit hier nie langweilig wird:

Es wird nie langweilig, weil es immer wieder andere Erlebnisse gibt, anderes Licht, andere Tierbegegnungen. Für viele ist es das Paradies auf Erden. Ich könnte mich nie sattsehen an dieser Szenerie, den Tierbeobachtungen, den Sonnenuntergängen, den Landschaften – es ist einfach einzigartig auf der Welt.

So entsteht an Bord der Galápagos Explorer schnell das Gefühl eines Zuhauses auf Zeit. Zusammen mit den Naturerlebnissen und Tierbeobachtungen macht gerade diese familiäre Atmosphäre die Reise zu etwas Besonderem.

Was einem bei alldem auffällt: Die Galápagos-Inseln zählen zu den teuersten Reisezielen der Welt. Das liegt zum einen an der abgelegenen Lage – fast alles, von Treibstoff bis zu bestimmten Lebensmitteln, muss vom ecuadorianischen Festland importiert werden. Zum anderen sind Besucherzahlen und Anlandungen pro Insel strikt reguliert, um das Ökosystem nicht zu überlasten. Beides zusammen macht die Inseln zu einem der exklusivsten Reiseziele überhaupt – und für viele bleibt eine solche Reise wohl eher ein Traum als eine Selbstverständlichkeit. Doch genau diese Beschränkungen sind es, die den Galápagos-Inseln ihre Ursprünglichkeit bis heute erhalten haben – die Seltenheit, die Ruhe, das Gefühl, einem Ort zu begegnen, der sich nicht der Masse angepasst hat. Und am Ende sind es genau diese Begegnungen – ein Pinguin, der seelenruhig neben einem herschwimmt, ein Nazca-Tölpel, der einen minutenlang aufhält –, die den eigentlichen Luxus dieser Reise ausmachen, mehr als jede Kabine oder jeder Cocktail.

Tierbegegnungen auf den Galápagos-Inseln

Zwei Galápagos-Meerechsen auf einem Holzstamm, eine legt ihre Vordergliedmaße auf den Rücken der anderen, vor unscharfem natürlichem Hintergrund.
Eine Seelöwin ruht auf schwarzen Vulkanfelsen nahe dem Meer, während ein roter Krebs in der Nähe über die Felsen läuft.
Nahaufnahme einer Galápagos-Schildkröte mit ausgestecktem Kopf in der Nähe eines Baumstamms auf felsigem Boden.

North Seymour und Española: Erste Begegnungen an Land

Auf North Seymour beginnt unsere erste Anlandung mit einem Balztanz: Blaufußtölpel heben ihre Füße nacheinander wie in Zeitlupe, während eine Gruppe Fregattvögel ganz in der Nähe ihre leuchtend roten Kehlsäcke aufbläht. Wir stehen dem ganzen Spektakel nur wenige Meter entfernt, ohne dass sich die Vögel davon stören lassen.

Auf Española sind es schon die ersten Schritte an Land, die uns überraschen: Der Sandstrand und die Lavasteine entlang der Küste sind übersät mit Meerechsen – so viele, dass wir aufpassen müssen, wo wir hintreten, um an ihnen vorbeizukommen. Auch sie lassen sich von unserer Anwesenheit nicht im Geringsten beeindrucken.

Unterwasserwelt bei Bartolomé

Auch unter Wasser hält die Reise ihre eigenen Überraschungen bereit. Bei Bartolomé gleiten wir vom Boot direkt neben einen kleinen Felsen ins Wasser, als plötzlich ein Galápagos-Pinguin von den Steinen abspringt – nur wenige Meter vor mir. Für einen Moment schwimme ich einfach neben ihm her, so nah, dass ich jede seiner Bewegungen unter Wasser sehen kann. Es dauert wahrscheinlich nur wenige Sekunden, aber in diesem Moment fühlt es sich an, als stünde die Zeit still. Um uns herum begegnen wir außerdem Meeresschildkröten, Fischschwärmen, Weißspitzenriffhaien und neugierigen Seelöwen, die spielerisch durchs klare Wasser gleiten.

Genovesa: Urzeit-Stimmung und ein ernüchternder Fund

Auf Genovesa, unserer letzten Insel, verstärkt sich dieses Gefühl noch einmal: Zwischen dichter Vegetation, Vulkangestein und einer Geräuschkulisse aus unzähligen Vogelrufen fühlt sich die Insel streckenweise an wie eine Kulisse aus einer anderen Zeit – als hätte man sich mitten in eine Urzeit-Szenerie versetzt, in der Reptilien und Vögel den Ton angeben. Bei einem geführten Spaziergang durch die Darwin Bay verstellt uns plötzlich ein junger Nazca-Tölpel den Weg. Immer wieder hebt er kleine Zweigstücke vom Boden auf, wirft sie sich selbst mit dem Schnabel zu, fängt sie geschickt wieder auf – und lässt uns partout nicht vorbei. Erst später erklärt uns unser Guide, was wir da beobachtet haben: das typische Übungsverhalten eines jungen Männchens, das auf diese Weise das spätere Fangen und ‚Bearbeiten' von Beutefischen trainiert. Ein kleines, unfreiwilliges Schauspiel – aber eines der Momente, die uns von dieser Insel am längsten in Erinnerung bleiben.

An unserem letzten Nachmittag auf Genovesa gehen wir, nach dem Spaziergang, noch einmal in der Darwin Bay schwimmen – und merken schnell, dass etwas nicht stimmt: Überall treiben kleine Plastikteile zwischen uns. Auf Nachfrage erklärt uns unser Guide, dass immer wieder ausländische Fischereiflotten, vor allem aus China, bis an die Grenze des Meeresschutzgebiets vordringen oder sie überschreiten – und dabei große Mengen Müll ins Meer werfen, der dann an den Inseln anspült. Ein ernüchternder Moment, der uns noch einmal vor Augen führt, wie fragil dieses Ökosystem trotz seines Schutzstatus tatsächlich ist – und wie wichtig es ist, es zu bewahren.

Am letzten Abend an Bord sitzen wir im Jacuzzi auf dem Sonnendeck, ein Cocktail wird uns angeboten, ohne dass wir danach fragen müssen, und wir sehen die Sonne über Genovesa Island untergehen. Ein leiser, passender Abschluss für diesen Teil der Reise.

Was uns dabei über alle Inseln hinweg am meisten in Erinnerung bleibt, ist die Nähe zur Tierwelt: die natürliche Scheu vor Menschen, die Tiere fast überall auf der Welt zeigen, gibt es hier schlicht nicht – eine Folge der isolierten Lage und der fehlenden natürlichen Fressfeinde der Inseln. Riesenschildkröten ziehen gemächlich an uns vorbei, ohne auch nur den Kopf zu heben, Meerechsen und Seelöwen bleiben reglos liegen, während wir nur wenige Schritte entfernt stehen, und selbst die Pinguine schwimmen seelenruhig direkt an uns vorbei. Möglich ist das nur, weil Ecuador die Inseln konsequent schützt: 97 Prozent der Landfläche und 99 Prozent der umliegenden Gewässer stehen unter Naturschutz – ein Grund mehr, warum jeder Besuch hier auch bedeutet, diesen einzigartigen Lebensraum mit Respekt zu behandeln.

Eine Reise voller Kontraste

Was diese Reise für uns besonders macht, ist die Vielfalt innerhalb eines einzigen Landes. Nur wenige Tage liegen zwischen dem Aufstieg auf knapp 4.900 Meter am Cotopaxi und den Begegnungen mit Seelöwen und Riesenschildkröten im Pazifik.

In wenigen Tagen haben wir dünne Luft auf 4.900 Metern erlebt und wenig später live gesehen, wovon Darwin einst nur schreiben konnte – standen auf Gletschereis und schwammen neben Seelöwen, Pinguinen, Schildkröten und Haien. Genau das bleibt für mich nach dieser Reise hängen: nicht ein einzelnes Bild, sondern wie gut die beiden Gegensätze zueinander passen, obwohl sie kaum unterschiedlicher sein könnten. Ecuador war für mich beides zugleich – und ich weiß jetzt schon, dass ich zurückkommen werde – dem Cotopaxi-Gipfel näherzukommen, und auf die westlichen Inseln der Galápagos, zum Sierra Negra auf Isabela.

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